Morde

Lady holding a photo frame of a man and crying

Kolumbien war 2022 das tödlichste Land der Welt für führende Gewerkschaftsvertreter*innen.

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Gewerkschafter*innen werden ermordet, weil sie erwerbstätige Menschen und deren kollektive Rechte vertreten. Allzu häufig gibt es keine Gerechtigkeit für die Beschäftigten und ihre Familien, da Regierungen und Arbeitgeber ungestraft agieren können. 2022 sind bereits in 13 Ländern Gewerkschafter*innen ermordet worden: Bangladesch, Ecuador, Eswatini, Guatemala, Haiti, Irak, Indien, Italien, Kolumbien, Lesotho, Myanmar, den Philippinen und Südafrika.

Arbeitnehmerrechtsverletzungen

Afrika

In Eswatini, Lesotho und Südafrika wurden Beschäftigte ermordet.

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Am 19. Mai 2021 wurde Motselisi Manase, eine Fabrikarbeiterin, bei Protesten wegen der Löhne von der Polizei erschossen, als es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Fabrikarbeitern und der Polizei in Maseru, Lesotho, kam. Der Streik begann Mitte Mai 2021. Die Polizeikräfte gingen massiv gegen die Beschäftigten vor. Sie behaupteten, die Streikenden würden „gegen die Covid-19-Vorschriften verstoßen“. Um die Streikenden zu vertreiben, setzte die Polizei Wasserwerfer und scharfe Munition ein.

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Am 20. Oktober 2021 marschierten Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und des Gesundheitswesens in Eswatini zum Justizministerium. Sie wollten eine Petition übergeben, in der sie eine Gehaltserhöhung, ein Ende der Prekarisierung und Privatisierung des öffentlichen Dienstes und ein Ende der Angriffe auf Gewerkschaften forderten. Die Demonstranten wurden von der Polizei mit Tränengas und Gummigeschossen angegriffen. Zwei Busse, die Beschäftigte des öffentlichen Dienstes zu der friedlichen Versammlung brachten, wurden ebenfalls von der Polizei angehalten und ihre Insassen mit scharfen Kugeln beschossen. Ein Student wurde von einem Irrläufer getötet.

Morde

Am 13. Oktober 2021 wurden bei Zusammenstößen mit der Polizei ein Busfahrer erschossen und ein weiterer verletzt, als die Fahrer an einem Lohnprotest in der Kleinstadt Malkerns in Eswatini teilnahmen. Nach dem Mord haben sich die Transportarbeiter den allgemeinen Protesten im Land angeschlossen, die demokratische Reformen forderten, und mehrere wichtige Straßen im Land blockiert. Am folgenden Tag erschoss die Polizei eine Person an einer Straßensperre in der Stadt Mpaka. Am 20. Oktober gingen die Sicherheitskräfte gegen Proteste in Mbabane und Manzini vor, töteten einen Menschen und verletzten mindestens 80 Personen, darunter 30 durch Schüsse. Am nächsten Tag verbot die Regierung alle Proteste und schaltete die soziale Medienplattform Facebook ab.

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Am 19. August 2021 wurde Malibongwe Mdazo, Aktivist und Organisator der National Union of Metalworkers of South Africa (NUMSA), am helllichten Tag im Büro der Versöhnungs-, Schlichtungs- und Schiedskommission (CCMA) in Rustenburg ermordet. Er wurde vor den Augen der Öffentlichkeit erschossen, als er mit einer Gruppe von NUMSA-Mitgliedern das Büro der CCMA verließ. Die Täter feuerten mindestens zehn Kugeln ab.

NUMSA-Vertreter hatten im Rahmen des Überprüfungsverfahrens für NUMSA-Mitglieder bei Newrack, einem der Vertragsunternehmen von Impala Platinum Holdings (Implats), das den Großteil seiner Belegschaft in Rustenburg auslagert, an einem Schlichtungsverfahren bei der CCMA teilgenommen. Ein weiteres NUMSA-Mitglied und ein Passant wurden bei der Schießerei ebenfalls angeschossen und verletzt. Mdazo gehörte zu den Streikführern des jüngsten Streiks, bei dem die Gewerkschaft die Auftragnehmer von Implats aufforderte, der NUMSA Organisationsrechte zu gewähren.

Implats war für seine gewerkschaftsfeindliche Haltung berüchtigt, die sogar zur einseitigen Entlassung aller Interimsausschüsse der NUMSA führte.

Gesamtamerika

Arbeitnehmer*innen wurden ermordet in Kolumbien, Ecuador, Guatemala und Haiti.

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Am 14. Mai 2021 wurde Felipe Andrés Pérez Pérez, führendes Mitglied der SINALTRAINAL-Ortsgruppe der Gewerkschaft im Stadtteil Envigado, in Medellín ermordet, als er nach einer Kundgebung im Zusammenhang mit einem landesweiten Streik nach Hause gehen wollte.

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Am Morgen des 26. November 2021 verrichtete Clemito Rengifo Salazar, Mitglied des Sindicato de Maestros de Nariño (SIMANA), seinen Dienst als Erzieher in der Schule Francisco de Asís Madrigal in Policarpa (Departamento Nariño), als Unbekannte ihn im Beisein seiner Schüler*innen aus der Schule verschleppten. Seine Leiche wurde später in den Nachmittagsstunden gefunden.

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Am 23. Februar 2022 wurden in Port-au-Prince, Haiti, ein Journalist getötet und fünf Beschäftigte verletzt, als die Polizei das Feuer auf friedliche Demonstranten eröffnet hat. Diese hatten sich gegen die Höhe der von der Regierung nach wochenlangen Protesten angekündigten spärlichen Lohnerhöhung ausgesprochen.
Die Lebenshaltungskosten in Haiti sind in den letzten Jahren stetig gestiegen, und Gewalt hat das Land durchdrungen, da Banden oft mehr Macht haben als die Regierung.

Morde

Am 7. Mai 2021 wurde die 35-jährige Cinthia del Carmen Pineda Estrada vor ihrem Haus im Stadtteil Chaparro Zacapa (Guatemala) erschossen. Estrada war Grundschullehrerin und Vorsitzende der Gewerkschaft Sindicato de Trabajadores de la Educación de Guatemala (STEG). Die Staatsanwaltschaft hat keine Angaben zu den Tätern oder den Hintergründen dieses Verbrechens gemacht.

Morde

In Ecuador wurde Sandro Arteaga Quiroz, Sekretär der Gewerkschaft der Bediensteten der Provinzregierung Manabí, am 24. Januar 2022 auf einer Landstraße getötet, als er aus seinem Lastwagen stieg.

Quiroz, der zum Zeitpunkt des Angriffs mit einem seiner Söhne unterwegs war, wurde von Unbekannten mit mindestens zwei Schüssen in den Kopf getötet, die dann entkommen sind.

Der Anführer hatte am Vortag und bis wenige Stunden vor dem Mord telefonisch Morddrohungen erhalten.

Die Nationalpolizei fahndete am Boden und in der Luft nach den Attentätern, Bisher gab es noch keine Verhaftungen.

Morde

In Kolumbien sind in diesem Jahr dreizehn Gewerkschaftsmitglieder Opfer von gezielten Mordanschlägen geworden.

Am 11. August 2021 wurde Carlos Fredy Londoño Bautista, Mitglied der Adem-Fecode-Mitgliedsorganisation Asociación de Educadores del Meta, ermordet, als er seinen Arbeitstag in Fuente de Oro, Meta, beginnen wollte. Am Morgen des 11. August ging Carlos Freddy zu der Schule, in der er arbeitete, und wurde auf dem Weg dorthin von Attentätern auf einem Motorrad angegriffen. Sie schossen vor den Augen einiger seiner Schüler vier Mal auf ihn.

Asien/Pazifik

In Bangladesch, Indien, Myanmar und auf den Philippinen wurden erwerbstätige Menschen ermordet.

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Bis Mitte September 2021 sind mindestens 27 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter getötet worden, die an den Protesten des Civil Disobedience Movement (CDM) gegen die Militärherrschaft in Myanmar teilgenommen haben.
Dem 21-jährigen Zaw Zaw Htwe, Textilarbeiter bei der Suntime JCK Company Limited und Mitglied der Solidarity Trade Union (STUM) of Myanmar, wurde am 14. März während der Proteste in Shwe Pyi Thar von den Sicherheitskräften in den Kopf geschossen. Chan Myae Kyaw, ein Kipplasterfahrer in der Kupfermine von SinoHydro und Mitglied der Mining Workers' Federation of Myanmar (MWFM), wurde am 27. März bei einer Demonstration in Monywa von Soldaten mit mehreren Schüssen getötet. Am 28. und 29. März griff das Militär Demonstranten in der Industriezone South Dagon an und tötete Nay Lin Zaw, einen Gewerkschaftsführer bei AD Furniture (Holzverarbeitung) und Mitglied der Myanmar Industry Craft Service-Trade Unions Federation (MICS-TUsF).

Morde

Mindestens acht Menschen, darunter vier Landwirte, wurden am 3. Oktober 2021 bei Ausschreitungen im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh getötet.

Zwei Landwirte starben, als eine Fahrzeugkolonne des Innenministeriums eine Gruppe von streikenden Landwirten überfuhr. Sie hatten auf der Straße gegen die Landwirtschaftsgesetze protestiert. Bei den anschließenden Zusammenstößen wurden zwei weitere Bauern von der Polizei getötet. Die indischen Landwirte hatten über ein Jahr lang gegen die Verabschiedung von Agrargesetzen protestiert, von denen Konzerne profitieren werden - auf Kosten von Millionen von Landwirten. Die Reaktion der Polizei wurde immer gewalttätiger. Im August 2021 wurden im nordindischen Bundesstaat Haryana bei einem Polizeieinsatz während eines Protestes gegen die Agrargesetze ein Bauer getötet und zehn weitere verletzt.

Morde

Am 13. Juni 2021 wurden zahlreiche Bekleidungsarbeiter verletzt, nachdem die Polizei gegen Streiks bei Lenny Fashions und Lenny Apparels in der Freien Exportzone Dhaka (DEPZ) in Ashulia, Bangladesch, vorgegangen war.
Nach der Schließung der Fabrik forderten die Beschäftigten ihre Löhne ein. Die 32-jährige Bekleidungsarbeiterin Jesmin Begum erlitt tödliche Verletzungen, als sie auf der Flucht vor der Polizei, die die Demonstranten gewaltsam auseinandertrieb, gegen eine Eisenstange prallte. Viele Arbeiter wurden verletzt, als die Polizei Gummigeschosse abfeuerte, Tränengasgranaten warf, Wasserwerfer einsetzte und mit Schlagstöcken auf protestierende Arbeiter einschlug. Mehr als 6.000 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz, als Lenny Fashion und Lenny Apparels, eine Tochtergesellschaft des in Hongkong ansässigen Unternehmens Must Garment, am 20. Januar 2021 geschlossen wurde. Die Geschäftsleitung sagte zu, die ausstehenden Löhne bis Mai zu zahlen, aber das Unternehmen ist seiner Verpflichtung bis heute nicht nachgekommen.

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Mindestens fünf Menschen wurden am 17. April 2021 getötet und Dutzende verletzt, als die Polizei das Feuer auf eine Gruppe von Arbeitern eröffnete, die im SS-Kraftwerk, einer Baustelle des Kohlekraftwerks in der südöstlichen Stadt Chittogram, Bangladesch, für nicht gezahlte Löhne und eine Lohnerhöhung protestierten.
Die Proteste der Arbeiter richteten sich gegen nicht gezahlte Löhne, außerplanmäßige Kürzungen ihrer Arbeitszeiten sowie für einen Ramadan-Feiertag und reduzierte Arbeitszeiten während des religiösen Festes.

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Auf den Philippinen wurde der 35-jährige Gewerkschaftsführer Dandy Miguel, Vorsitzender der PAMANTIK-Kilusang Mayo Uno (KMU), am 28. März 2021 in Calamba auf dem Nachhauseweg mit seinem Motorrad getötet. Dandy Miguel war auch Vorsitzender der Lakas ng Nagkakaisang Manggagawa ng Fuji Electric und Mitglied des Nationalrats der KMU. Er wurde von unbekannten Attentätern mit acht Schüssen getötet. Kurz vor seiner Ermordung hatte Dandy Miguel bei der Menschenrechtskommission Beschwerde gegen die außergerichtliche Ermordung von neun Gewerkschafts- und NGO-Aktivisten am 7. März, dem so genannten Blutsonntag, in Calabarzon eingelegt. Die Morde am Blutsonntag wurden verübt, nachdem Präsident Duterte die Sicherheitskräfte offen dazu aufgerufen hatte, Kommunisten zu erschießen, wenn diese eine Waffe trugen.

Europa

In Italien und Kasachstan wurden erwerbstätige Menschen ermordet.

Morde

Als die kasachische Bevölkerung im Januar 2022 damit begonnen hatte, friedliche Proteste für Demokratie und soziale Gerechtigkeit zu organisieren, reagierten die Polizei und die Streitkräfte mit äußerster Brutalität, töteten mehr als 160 Menschen und verhafteten mehr als 8.000 Personen.

Morde

In Italien wurde der 37-jährige Adil Belakhdim am 18. Juni 2021 vor einem Vertriebszentrum von Lidl in Biandrate, Norditalien, getötet.
Er und 25 weitere gewerkschaftlich organisierte Logistikmitarbeiter protestierten vor dem Eingang zu einem Lager gegen die schlechten Arbeitsbedingungen. Der LKW-Fahrer eines externen Lieferanten, der das Lager verlassen wollte, fuhr durch eine Reihe von Streikposten, die ein Tor blockierten. Das Fahrzeug stieß mit Belakhdim zusammen und schleifte ihn mehrere Meter weit mit. Adil wurde getötet, und zwei weitere Demonstranten, die ebenfalls von dem Lkw erfasst wurden, wurden leicht verletzt.

Nahost/Nordafrika

Im Irak wurden erwerbstätige Menschen ermordet.

Morde

Nach einer friedlichen Demonstration der Öl- und Gasarbeiter in Dhi Qar, Irak, am 14. Februar 2022 wurde Ahmad Ali Al-Zaidi, ein Gewerkschafter und Angestellter einer Ölanlage, als Reaktion auf seinen aktiven Einsatz während der Demonstrationen ermordet.
Auch Streiks in der Öl- und Elektrizitätsbranche wurden im vergangenen Jahr systematisch von den Sicherheitskräften zerschlagen. Wiederholt wurden gegen Beschäftigte und Gewerkschaftsführer wegen ihrer legitimen Gewerkschaftsarbeit interne Ermittlungsverfahren und Disziplinarmaßnahmen eingeleitet. In einigen Fällen wurden sie in andere Unternehmen oder in andere Positionen versetzt und mit rechtlichen Sanktionen bedroht.

Begräbnis eines Demokratieaktivisten in Myanmar, der vom Militär erschossen wurde. In 13 Ländern, darunter Myanmar, wurden Gewerkschafter*innen ermordet.STR / AFP